Besuch bei Karl August Arnold    
( Abschrift aus Südostmagazin Rosenheim, Ausgabe Febr. 1976 )

Der Chiemsee und die Landschaft ringsum übten schon immer eine große Anziehungskraft auf künstlerische Menschen aus. Bildhauer, Maler, Sänger, Schauspieler haben hier ihr Domizil aufgeschlagen. Mit dem Maler Karl August Arnold stellt das SÜDOST MAGAZIN  einen Künstler vor, der nicht nur Jahrzehnte am Chiemsee gelebt hat, sondern ihn auch wie kaum ein anderer zum Leitfaden seines Schaffens macht.

K. A. Arnold lebt seit 12 Jahren in Rosenheim. Der heute 85 - jährige kam 1919 vom Schwarzwald in den Chiemgau und heiratete in den Gutshof "Klösterl" bei Mauerkirchen ein. Im Bibliothekssaal des alten Schloß Herrenchiemsee richtete er 1921 die ständige "Kunstausstellung Arnold Herrenchiemsee" ein. Nach schweren Anfängen machte sich der Maler bald einen guten Namen im einheimischen Kunstgeschehen,  ja wurde in ganz Süddeutschland bekannt. Die Kunstausstellung bestand bis zu dem Tag, an dem Arnold in den Zweiten Weltkrieg einberufen wurde und konnte danach nicht mehr ins Leben gerufen werden.

In den Jahren zwischen 1920 und 1940 wurde Arnold zu dem Maler, der sich am intensivsten mit dem Chiemsee, seiner Landschaft, seinen Menschen und vor allem mit der Tierwelt der Gegend beschäftigte. Sein Werk ist eine echte Chronik des Chiemseegebiets. Die alten Raddampfer im Hafen, die Biergärten an den Uferstreifen, die Fischer von der Fraueninsel, die Viehherden und Pferdegespanne, das Schloss, die alten Baumgruppen und unberührten Uferstreifen, die es heute längst nicht mehr gibt, alles das hat Arnold in seinen Bildern festgehalten,

Der Meisterschüler Professor Zügels ist sicher alles andere als ein moderner Maler. Nichtsdestoweniger ist er nie bei einem traditionell naturalistischen oder typisch Arnoldschen Stil geblieben, bedient sich vieler Techniken und Materialien, bevorzugt dabei das Ölbild und die Zeichnung und vor allem das Aquarell, in dem er sein Generalthema am prägnantesten zum Ausdruck gebracht hat, nämlich den Chiemsee.

"Das richtige Sehen ist das wichtigste Talent eines Malers", meint der 85-jährige. So geht er selbst seinen Motiven auf den Grund, studiert die Dinge so oft und so lange, bis er sie wirklich "gesehen" hat. So ging er tagelang mit den Holzfällern in den verschneiten Wald, um ein Ochsengespann richtig in den Griff zu bekommen, beobachtete immer wieder die Ankunft des Postkahns auf der Herreninsel, bis er dieses Motiv in ein Bild umsetzte.

Die farbenfrohen Gemälde Arnolds sprechen eine deutliche Sprache von Lebensfreude, einer Unbekümmertheit gegenüber Stilrichtungen und einer Abneigung gegenüber “ismen“, einem innigen Verhältnis zur Natur und von der großen Liebe des Malers zu seiner Wahlheimat.

In seiner Rosenheimer Wohnung hat der alte Herr den Pinsel noch lange nicht aus der Hand gelegt. Nach wie vor lebt und arbeitet er für seine Kunst. Der größte Wunsch seines Lebensabends ist noch unerfüllt geblieben: Eine Ausstellung all jener Bilder, die eine Gesamtschau des Lebens und der Landschaft am Chiemsee darstellen, Pläne dazu sind bereits vorhangen. Wenn es dazu kommt wird eine solche Ausstellung auf Freunde des „Bayerischen Meeres“ ihre Anziehungskraft sicher nicht verfehlen.

–ne

Abschrift: pb 2.1.2006

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